Quote of the Moment:
Dogmen, und ich meine nicht nur religiöse, zerstören die Welt und machen uns alle dümmer.
Bobby Henderson
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Von Piraten und Minaretten

fly.floh am 1. Dezember 2009 um 01:16

Die Schweizer haben gestern ein Verbot fuer den Neubau von Minaretten beschlossen. Natuerlich steht jedem die eigene Meinung zum Thema zu. Als Sieg der direkten Demokratie laesst sich das Verbot aber ganz sicher nicht verkaufen. Bei einer Wahlbeteiligung von 54% eine Mehrheit von 57% gegen Minarette zu erreichen ist ganz sicher auch keine breite oder klare Mehrheit. Nur etwa ein Drittel der Schweizer ist fuehlt sich von Minaretten stark genug bedroht um deren Bau verbieten zu lassen.

Meiner Meinung nach ist ein Verbot von Minaretten ist ein direkter Angriff auf den islamischen Glauben und sagt nur eines aus: “Wir wollen euch hier nicht.” Jetzt ist es natuerlich moeglich, dass die Schweizer genau das wollten. Dann darf man sich aber auch nicht wundern, wenn die islamische Welt mindestens verstoert reagiert. Man sollte hierbei vorallem bedenken, dass es sehr viel mehr moderate als extreme Muslime gibt, und gerade die moderaten greift man mit dem Minarettverbot – ganz ohne Not – an.

Wenn man einer einzelnen Religionsgemeinschaft verbietet ihren religioesen Bauten einen wichtigen Teil hinzuzufuegen, dann ist das starke Diskriminierung und meiner Meinung nach einem freiheitlich, demokratischen Staat unwuerdig. Kein Wunder, dass das Verbot in rechten Kreisen gefeiert wird. Da muss man dem Kommentator der Welt – ausgerechnet – rechtgeben, der titelt, dass die Schweiz hinter die Aufklaerung zurueckfaellt.

Besonders verstoerend ist es, dass ein Vorstandsmitglied der Piratenpartei das Verbot lobt und den ganzen Machenschaften auch noch Respekt zollt. Die Piratenpartei ist eine – eigentlich sogar die Einzige – Partei in Deutschland die sich bedingungslos fuer Buergerrechte und Freiheit einsetzt. Ein Vorstandsmitglied der Piratenpartei, dass das Minarettverbot feiert, hat nicht verstanden wofuer die Piratenpartei steht. Einer auch in Deutschland nicht gerade kleinen Religionsgemeinschaft das Recht nehmen zu wollen, ihre religioesen Gebaeude nach eigenen Gutduenken zu gestalten ist fuer ein Vorstandsmitglied dieser Partei untragbar, wird aber traurigerweise noch von der Begruendung getoppt.

Eine politisch-totalitäre Bewegung, die sich anderen Glaubens- und Denkrichtungen überlegen fühlt und den Anspruch hat, Andersdenkende zu bekehren und gegebenenfalls zu töten*, steht hingegen nicht unter dem Schutz der Religionsfreiheit

Eine solche Pauschalisierung haette ich aus NPD-Kreisen, vielleicht noch aus der rechten Ecke der CDU erwartet, aber nicht aus dem Bundesvorstand der Piraten. Fuer Leute, die versuchen, mit derart unreflektierten Aussagen rechtsextremes Gedankengut zu verteidigen sollte in der Piratenpartei kein Platz sein.

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