Quote of the Moment:
Each place has its own advantages - heaven for the climate, and hell for the society.
Mark Twain
Piratenbanner

Vollversammlung im POT

fly.floh am 10. Dezember 2009 um 00:58

Gestern war ja nun die lang ersehnte Vollversammlung im POT81, dem besetzen Hoersaal, der TU Dresden. Es gab einige Reden von Leuten aus unterschiedlichen Ecken von TU, htw und EHS Dresden. Erster Redner, Michael Moschke vom Stura der TU, der festhalten durfte, dass der Stura die Besetzung toll findet und sich genervt zeigte, dass er in den letzten Jahren in der Uni nur gegen Waende gerannt ist. Die Besetzer des POT haetten alles richtig gemacht, was man haette richtig machen koennen.

Der naechste in der Runde war Conrad Nutschan, vom Stura der htw, der den Studis der TU eigentlich die htw vorstellen wollte, sich dann kurzfristig aber doch noch gegen seine Powerpoint Praesentation entschieden hat. Er hielt fest, dass es viel mehr Vernetzung der htw und TU Studis geben muss. Ausserdem erzaehlte er noch, dass die Kanzlerin der htw nach einem Raum zum besetzen gefragt wurde. Diese will sich ueber’s Wochenende gedanken machen.

Dann kommt die EHS, die hat Studiengebuehren, mehr Inhalt hatte die Vertreterin aus deren Stura allerdings nicht zu bieten. Nur ein wenig Selbstbeweihraeucherung, dass man ja anteilsmaessig viel mehr Studis bei Demos und Flashmobs hatte.

Vom Vertreter das FSR SpraLiKuWi kommt die Forderung die Studienkommissionen besser zu besetzen, da muessen aber alle im Raum ran, fehlt es doch meist an kompetenten, studentischen Vertretern. Die AG Freiraum erklaert dann mal ein paar Hintergruende zur Besetzung, es geht gar nicht so sehr um den Protest, der POT81 ist derzeit studentisch verwalteter Raum an der Uni, wird als Kommunikationsraum gesehen und ist frei von vorgegebenen Strukturen.

Es folgt nochmal wer von der Fakultaet SpraLiKuWi, diesmal aus der Studienberatung. Fr. Dr. Hanig referiert ueber persoenliche Erfahrungen mit dem Bologna Prozess, erzaehlt von der enormen Buerokratisierung und der Verunsicherung von Studenten und Lehrenden, weil staendig Verfahren geaendert werden. Bologna versieht ausserdem das gesamte Studium mit Punkten, Nummern und Zahlen, erzeugt so Leistungsdruck und viel Stress. Das alles nur, weil man auf Krampf versucht innerhalb von sechs Semestern Arbeitsmachinen Studenten auszubilden und fuer Berufe zu qualifizieren. Aus verschiedenen Gruenden kann der Bachelor nichtmal das leisten. Die Hochschulen verkommen dank der Umsetzung von Bologna allerdings langsam zu Lernfabriken.

Ein kleiner Ausflug in’s technische folgt, das geheim geplante Fruehwarnsystem der TU wird kurz vorgestellt. Das scheint im Saal allen neu zu sein, nur eine Handvoll Informatiker weiss Bescheid. Das Fruehwarnsystem ist ohne Not betriebene Vorratsdatenspeicherung. Die Uni hat deswegen schon mehrfach auf die Finger bekommen, genutzt hat es bisher nix.

Die Versammlung neigt sich langsam dem Ende und der interessante Part folgt, die Ziele und Forderungen der Besetzer.  Neben mehr Mitbestimmung – was zu erwarten war – findet sich darin auch die Forderung nach der Ruecknahme der Verschulung, die im Bachelor in sehr grossem und vorallem unnoetigem Ausmass statt gefunden hat. Zulassungsbeschraenkungen sollen abgeschafft werden und Lernbedingungen verbessert werden. Interessant ist die Forderung nach einem Tisch und einem Stuhl fuer jeden Studi in jeder Vorlesung. Ueberraschen wird das jetzt denjenigen, der in den letzten Jahren keine Vorlesung besucht hat. Komplett ueberfuellte Vorlesungen sind heutzutage aber an der Tagesordnung, mitschreiben ist fuer den, der keinen Platz ergattert dann kaum moeglich.

Alle diese Forderungen sind nicht neu, ist man damit aber frueher zur Uni gegangen wurde man an das Land verwiesen, das hat an den Bund verwiesen und der Bund zurueck an die Uni, zustaendig war keiner. Damit muss jetzt Schluss sein!

Die AG Meer stellt dann noch etwas grundsaetzlichere Fragen, wie zum Beispiel, ob es wirklich reicht, die Bildungssituation zu verbessern. Wollen wir uns wirklich noch besser fuer die Industrie, fuer eine Karriere bilden? Sollte das Ganze nicht andere Ziele haben? Kritische Wissenschaften werden gefordert, in Seminaren gibt es kaum noch Diskussion, alle lassen sich nur noch berieseln.

Gegen Ende der Veranstaltung kommt immer mehr Diskussion auf. Diskussion ueber Bildung ist ploetzlich wieder beliebt – nicht nur in Hoersaaelen und Politik, das ganze Land diskutiert wieder -, so viel hat man schonmal geschafft.

Wessen Unis?

fly.floh am 12. November 2009 um 15:23

Ganz klar: Unsere Unis! In ganz Deutschland werden gerade Hoersaaele in den Unis besetzt, als Protest fuer bessere Bildung. In Dresden ist der Saal 81 im Potthoff-Bau bezetzt.

Angefangen haben die Besetzungen vor etwa drei Wochen in Wien, inzwischen sind die Aktionen sogar ueber den grossen Teich geschwappt, und es gibt Plaene fuer eine Besetzung in Berkeley.

In Dresden gibt es seitens der Studenten folgende Forderungen:

  • Mehr studentische Mitbestimmung in allen Organen aller Ebenen der Hochschule
  • Mehr Geld für Bildung insbesondere bessere räumliche und personelle Ausstattung
  • Bildungschancen unabhängig von der sozialen Herkunft – vor allem Gebührenfreiheit
  • Die Abschaffung der Leistungsselektion und positionieren uns gegen Elitenbildung
  • Eine bessere Umsetzung des Bolognaprozesses und seiner Grundideen
  • Mehr Kompetenzvermittlung statt reiner Wissensvermittlung
  • Chancenausgleich für Benachteiligte
  • Die reale Umsetzung der Freiheit von Forschung und Lehre, sowie den freien Zugang zu Wissen

Mit Gespraechsrunden, Diskussionen und Informationen wird Interesse geweckt, informiert und versucht Konsenz ueber das weitere Vorgehen zu finden. Das etwas passieren muss ist klar, leider ist das bei den Maechtigen noch nicht so recht angekommen, die Politik hat auf den Bundesweiten Bildungsstreik im Sommer gar nicht nennenswert reagiert und die Rektoren der Unis stehen einer polizeilichen Raeumung meist auch nicht gerade abgeneigt gegenueber, so geschehen zum Beispiel schon in Muenster und – gerade eben – in Tuebingen. Die Politik reagiert allerdings auch auf dutzende besetzte Unis nicht nennenswert. Mal schauen, ob sich das in den naechsten Tagen aendert, schliesslich kommen taeglich neue Unis dazu. Heute sind es bisher die LMU Muenchen und die HU Berlin.

Professoren zeigen sich unterdessen zumeist solidarisch mit den Studenten und verlegen ihre Vorlesungen in andere Hoersaaele. Weitere Solidaritaesbekundungen gibt’s von den Studis untereinander und von der saechsischen Piratenpartei.

Bilder aus Dresden gibt’s im extra eingerichteten Wiki.

Links der Woche

fly.floh am 23. Oktober 2009 um 17:11

Die FDP hat sich ja im Wahlkampf in diesem Jahr gerne mal als Buergerrechtspartei dargestellt. Bereits nach der Wahl in Sachsen wurde recht deutlich, dass die das nicht ganz so ernst genommen haben, ein Blick in den Saechsischen Koalitionsvertrag reicht, um das zu bestaetigen. Mirco DaSilva, Vorsitzender der Piratenpartei Sachsen, hat einen offenen Brief an Holger Zastrow, den Landesvorsitzenden der saechsischen FDP geschrieben. Die FDP beginnt in Sachsen gerade damit die Versammlungsfreiheit einzuschraenken. Schoene Buergerrechtspartei.

Wolfgang Schaeuble war diese Woche an der FU Berlin und hat bei einer Ringvorlesung einen Vortrag zum Thema “Freiheit braucht Sicherheit” gehalten. Der Tagesspiegel berichtete von einem Polizeieinsatz wegen Stoerern und Piraten. Joerg Tauss, der selbst anwesend war, hat dazu einen Leserbrief geschrieben. Die Kommentare berichten teils auch anderes als der Tagesspiegel.

Auf einen etwas aelteren, und trotzdem extrem lesenswerten, Artikel bin ich bei Aggregat7 gestossen. Es geht um die Piratenpartei und die postmaterielle Welt.

Und dann war da noch der Bericht bei SpOn, der aufzeigt, wie wir gerade bei den Bildungsausgaben regelrecht verarscht werden. Und nochmal SpOn, Schaeuble soll Finanzminister werden.

e-Books fuer Schueler

fly.floh am 10. Juni 2009 um 23:02

Natuerlich nicht im technologiefeindlichen Deutschland, aber in Kalifornien soll’s fuer Schueler ab kommendem Jahr e-Books statt herkoemmlicher Buecher geben.
Schont Geldebeutel, schont Umwelt und ermoeglicht aktuellere Lehrbuecher. Feine Idee.

Wir haben kein Geld für Bildung

fly.floh am 24. Oktober 2008 um 10:07

Seit ich denken kann wird in Deutschland über den Zustand des Bildungssystems gemeckert. Die Klassen sind zu groß, die Unis zu voll und die Lehrbücher zu alt. Unsere Abschlüsse werden schlechter und unser gutes Diplom wird zu allem Überfluss auch noch abgeschafft. Achja, die Lehrer sind auch noch doof und zu wenige sind es sowieso.

Leider ist es tatsächlich so, dass wir zu große Schulklassen haben, ein Lehrer muss sich inzwischen nicht nur mit seinen 32 teilweise stark demotivierten Schülern rumschlagen. Dazu kommen auch noch die Eltern, die natürlich nur das Beste für ihr Kind wollen. Die meisten Lehrer sind sicherlich nicht unfähig, aber wohl mit der schieren Anzahl der Schüler überfordert. Das wären die meisten Eltern mit 32 Kindern aber auch, viele kümmern sich ja nichtmal richtig um ihr eines Kind, aber das ist ein anderes Thema.

Als ich in die fünfte Klasse kam, bekam ich zum ersten Mal einen Erdkundeatlas in die Hand. Deutschland war zweigeteilt. Zumindest laut Atlas, und das sieben Jahre nach der Wiedervereinigung. Spricht glaube ich für sich selbst.

Plätze in der Uni sind so knapp, dass man, wenn man mal eine Veranstaltung für Erstsemester besucht, schnell in einen harten Kampf um die letzten Sitzplätze verwickelt wird. In späteren Semester gibt sich das dank Sieb-Prüfungen sehr schnell. Dank eines Studienplatzwechsels bin ich in den Genuss gekommen sowohl einen Bachelor-Studiengang als auch einen Diplom-Studiengang erleben zu dürfen. Man mag vom Bachelor halten was man will, mit Studium hat das nichts mehr zu tun. Willkommen zurück in der Schule.

Lange Rede, kurzer Sinn: Unser Bildungssystem ist marode. An den Unis gibt es Sparrunden über Sparrunden. An Schulen wird schon nach der vierten Klasse sortiert, wer da auf der Hauptschule landet verliert schnell alle Perspektiven.

Man muss also was tun und in der kapitalistisch angehauchten Gesellschaft in der wir nunmal Leben geht sowas meist mit Geld. Geld ist aber angeblich nicht vorhanden. Das nicht vorhandene Geld im Hinterkopf möchte ich zum Schluss kurz erwähnen, was die Deutsche Bundesregierung gerade zum Schutz der Banken vor der selbstverschuldeten Finanzkrise ausgibt: 400 Milliarden Euro oder nochmal als Zahl € 400000000000.

Kein Geld da also?

500EUR für ein mittelmäßiges Studium sind vollkommen in Ordnung

fly.floh am 12. Juni 2008 um 12:22

Zumindest rein rechtlich. Zumindest in Hessen. Zumindest hat das gestern der hessische Landesgerichtshof entschieden.

Es wird also weiter gezahlt. Die Bildungsmisere wird weiter verschärft, es wird weiter dafür gesorgt, dass nicht jeder studieren kann. Richtig so! Blöde Studenten, kosten doch nur Geld. Das Geld könnte man viel besser in Forschung stecken – oder Brücken. Doch halt wer soll denn noch forschen, wenn es keine Akademiker mehr gibt?

Da regen sich Politiker in der BILD lautstark über Firmen wie Nokia auf, die ihre Produktion in’s billigere Ausland schaffen und im nächsten Schritt macht man die in Deutschland letzte Garantie für Arbeitsplätze zunichte. Die einzige Chance die wir haben unser Lohnniveau dauerhaft auf diesem hohen Niveau zu halten ist nunmal Bildung. Qualitätsware erfinden und produzieren, bei der Preis keine Rolle spielt. Handys und Opels zusammschrauben kann nunmal so gut wie jeder. Die Meisten aber billiger als die Deutschen. Da ist es nunmal kapitalistisch klug mit seiner Fabrik in Billiglohnländer zu flüchten.

Geflüchtet bin ich auch. Vor einem minderwertigem Abschluss (Bachelor) zu überhöhtem Preis (Studiengebühren) und einer langweiligen Stadt (Darmstadt). Die TU in Dresden hat bessere Betreuung, vorallem in Übungen, und das ganz ohne Studiengebühren. Die große Frage ist zwar wie lange noch, aber die derzeitige Situation zeigt, dass es geht. Wenn man denn will!

Doch was will man erwarten in einem Land in dem die BILD-Zeitung regiert. Der blöde Bürger ist eigentlich auch viel einfacher zu regieren als der gebildete. Weg also mit sämtlicher Bildung, auf in den Bauernstaat!

Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn der letzte Dollar weg ist.

fly.floh am 9. Februar 2008 um 01:48

Dieses Video zeigt ziemlich deutlich wie es um das amerikanische Schulsystem steht. Es zeigt wohin es führt, wenn man Investitionen in Bildung nicht als solche betrachtet, sondern damit umgeht als wären es Ausgaben. Es zeigt, dass RTLII und MTV nicht für Bildung verantwortlich sein sollten (was einige Eltern offensichtlich immernoch nicht verstanden haben). Oft wird gegen neue Schulden argumentiert, dass das Leben von der Zukunft wäre. Neue Schulden für bessere Bildung sind allerdings nicht Leben von der Zukunft, sondern dass, was ein Leben in Zukunft überhaupt erst möglich macht.

Vor dem California Science Center, in Los Angeles, ist folgende Inschrift zu lesen:

Inschrift CA Science Center

Leider scheint diese Aussage in der Politik in einigen westlichen ländern nicht verstanden zu werden. Wir bringen lieber Demokratie in fremde Länder, ohne überhaupt mal zu fragen ob die überhaupt assimiliert demokratisiert werden wollen, Widerstand ist zwecklos. Wir geben lieber Milliarden für Autobahnen und Brücken aus, als uns mal um die Zukunft zu kümmern. Einen Opel zusammen schrauben kann ein Chinese genauso gut wie ein Deutscher, der Chinese macht das aber für nichtmal ein Hunderstel vom Preis des Deutschen. Das ist keine Frechheit, sondern nennt sich schlicht und ergreifend Marktwirtschaft. Das ist das wirtschaftliche System, für das wir uns alle entscheiden wenn wir Einmal in 4 Jahren wieder unser Kreuz bei der Gewissenspartei machen. Das Einzige was langfristig wirklich Arbeit in Deutschland halten kann ist Bildung. Bei High-Tech und Qualitätsprodukten kommt es nicht auf den Preis an, sondern auf den Fortschritt. Bei High-Tech bleiben geht aber nur durch Bildung. Jeder Euro der heute ins Bildungssystem gesteckt wird, wird morgen dreimal als Arbeitslosengeld gespart, jeder Jugendliche der heute einen Realschulabschluss statt einem Hauptschulabschluss macht ist morgen ein Arbeitsloser weniger. Geistig kann das jeder schaffen, mit der entsprechenden Betreuung, in die aber muss heute investiert werden.

Das Zitat im Titel stammt übrigens von Mark Twain.