Where do YOU want to go today?
fly.floh am 16. April 2008 um 11:28Wer kennt es nicht, das uralte Geplänkel zwischen Linux-Nerds und Windows-Nutzern? “Linux ist viel besser” steht gegen: “Das kann ich nicht benutzen, das ist zu kompliziert”.
Beides Aussagen ohne viel Gehalt. Windows hat sicherlich seine Daseins-Berechtigung, Millionen von Menschen arbeiten tagtäglich damit und inzwischen ist das Betriebssystem sogar einigermaßen stabil. Microsoft hat aber in zunehmendem Maße ein großes Problem mit Windows: Die Abwärtskompatiblität. Es gibt haufenweise Anwendungen die irgendwann mal irgendein Programmierer für Windows 95 programmiert hat, die auch heute noch laufen müssen. Vista wird am Markt unter anderem so schlecht angenommen, “weil meine ganzen Programme ja nicht mehr laufen”. Der Zwang die Kompatiblität zu alten Versionen zu halten ist ein Problem, weil er echte Innovationen und Änderungen am Kern vom Betriebssystem sehr effektiv verhindert. Am Ende wird dieser Zwang dahin führen, dass nur noch oberflächliche Korrekturen möglich sind.
Microsofts Strategie alle 5-10 Jahre den Benutzer mit Innovationen zu überschwemmen geht auch nicht so richtig auf. Das Resultat sind unzufriedene und überforderte Anwender, die sich immer mehr nach Alternativen umsehen.
Auf der anderen Seite steht die Linux-Welt. Technische Probleme sind hier eher weniger vorhanden. Das Hauptproblem für Linux ist, meiner bescheidenen Meinung nach, fehlendes Marketing. Linux wird immernoch vom, seit ca. 10 Jahren veralteten, Image des komplizierten Betriebssystems verfolgt. Ein Linux-Installation ist heutzutage einfacher als das Installieren von Windows. Die meiste Standard-Software ist “out of the box” dabei und der Rest lässt sich in 95% der Fälle mit ein oder zwei Klicks installieren. Software-Updates werden zentral und einfach verwaltet, ein Service, der in der Windows-Welt immernoch Fremdwort ist. Warum, also wird Linux das Nerd-Image nicht los? Hauptgrund: Linux an sich ist nicht kommerziell, die meisten Linux-Distributionen, wie Ubuntu, Debian oder OpenSUSE, kosten in der Anschaffung kein Geld. Die Hersteller verdienen Geld mit Support für die Software, nicht mit dem eigentlichen Verkauf. Es gibt kaum Werbung für Linux. Auch Druck auf große PC-Hersteller wie Dell können die Hersteller der Linux-Distributionen nicht ausüben. Microsoft mit seinen, durch Windows und Office verdienten Milliarden, kann sich sowas erlauben. In der gegenwärtigen Lage muss Microsoft sich das sogar erlauben um Konkurrenzfähig zu bleiben, denn sobald beim Anwender der Eindruck entsteht Windows würde etwas kosten, werden die Absatzzahlen noch steiler sinken als sie das sowieso schon tun.
Wenn man die Dritthersteller-Software erstmal raus lässt und nur die Pakete betrachtet, die der Anwender im Allgemeinen als Betriebssystem sieht (bei Linux also eine Distribution wie Ubuntu, bei Windows also der Inhalt der Vista-DVD) ist das Linux-Paket einfacher zu benutzen und dazu noch technisch überlegen. Microsoft muss also irgendwie mithalten. Auf Dauer wird das nur durch eine neue Windows-Architektur gehen, Apple hat vor Jahren mit Mac OS X vorgemacht, wie man einen kompletten Betriebssystemkern wechselt. MS muss nun einen ähnlichen Weg gehen. Die lange und am Ende eher erfolgsfreie Entwicklungsgeschichte von Vista zeigt, dass Windows nur noch begrenzt erweiterbar ist, für echte Innovationen muss etwas neues her. Probleme wie Abwärtskompatiblität könnte man mit Hilfe von Techniken wie Virtualisierung herstellen, die dazu nötige Rechenpower ist inzwischen ausreichend verfügbar. Dann endlich wäre Platz für ein wirklich stabiles (und durchdachtes) Windows.
Bis dahin bleibt Linux die besser Wahl, auch auf dem Desktop. Einzige gültige Ausnahme bleiben nach-wie-vor: Kommerzielle Spiele.


