Ubuntu vs. Windows
fly.floh am 31. Oktober 2007 um 22:13Ein Vergleich
Vor einiger Zeit sagte ich mehr im Scherz zu einer Freundin, die gerade Pidgin installiert hatte, weil ihr ICQ ein wenig sponn: “Toll, jetzt musst du nur noch Linux installieren, dann bist du auf der guten Seite der Macht. Da muss ich dich nur noch überreden…” Sie antworte schlicht und einfach: “Dann mach mal.”
So kommt es also, dass ich nun hier sitze und überlege: Was macht Linux für den Durchschnittsanwender besser als Windows? Ich meine für Computerkinder wie mich ist das ziemlich klar: Es ist OpenSource, ich habe Wahlfreiheit bei meinen Programmen, es ist stabiler. Aber Computerkinder sind halt keine Durchschnittsanwender.
Fangen wir doch einfach am Anfang an:
Die Installation
Früher hieß es immer “Hach, Linux das ist doch das Betriebssystem für die Geeks..” Nunja das hat sich spätestens mit der Distribution Ubuntu geändert. Die Installation ist recht einfach, komplett in grafischer Oberfläche und eigentlich selbsterklärend. Und wer trotzdem Hilfe braucht ist in Communities wie Ubuntuusers sehr gut aufgehoben. Im Wiki von Ubuntuusers gibt es auch eine Installationsanleitung für Ubuntu. Zugegeben, das ist bei Windows nicht wirklich anders: Die Installation ist eigentlich auch recht problemlos, wer Hilfe braucht findet sicher auch einige Foren im Internet. Schauen wir uns also an wo der Anwender direkt nach der Installation steht.
Der Windows-Benutzer: Hat ca. 10 Neustarts hinter sich, muss nun noch eine Office-Suite installieren, eine Firewall, Virenscanner und sonstige Programme, die er gerne noch hätte. Wenn er Pech hat auch noch einige Treiber, um überhaupt alle Funktionen seines PCs nutzen zu können.
Der Linux (Ubuntu)-Benutzer: Hat genau einen Neustart hinter sich, hat bereits Office-Suite installiert, Firewall und Virenscanner auf Wunsch auch. Ubuntu erkennt ältere und neuere Hardware, bis auf einige Exoten, zuverlässig. Aber ich gebe zu auch hier ist das System sicherlich ein wenig von einer optimalen Konfiguration entfernt, also geht’s im nächsten Schritt an:
Die Installation weiterer Software
Wer kennt es nicht, man braucht irgendein willkürliches Programm. Unter Windows wird die Sache Zeitraubend, bei Google danach suchen, eine Quelle finden, die nicht Virenverseucht ist, das Programm installieren und hoffen, dass alles geklappt hat.
Unter Ubuntu sieht die Sache schon sehr viel einfacher aus. Unter Anwendungen -> Hinzufügen/Entfernen findet sich eine ganze Menge Software, die man im Alltagsbetrieb so braucht.
Der Software hinzufügen/entfernen Dialog
Allein acht MP3-Player finden sich da. Wenn das mal nicht reicht gibt es in der umfangreichen Packetverwaltung Synaptic noch eine ganze Menge weiterer Programme. Derzeit finden sich knapp 23000 Packete, wobei es Programme gibt, die zwei oder drei Packete benötigen. Wer keine Softwarequellen von Drittanbietern hinzufügt muss auch nicht damit rechnen bösartige Software, wie Viren oder Spyware zu bekommen, zumal es sowieso derzeit nichtmal eine Handvoll Linux-Viren gibt. Die Installation von Software ist also denkbar einfach, wer dennoch mal nicht weiter kommt, oder ein Programm benötigt, das nicht in der Packetverwaltung ist, findet auch hier im Netz eine große und vorallem sehr hilfsbereite Community. Sind dann erstmal alle Programme installiert, folgt hoffentlich sehr lange:
Der Alltagsbetrieb
Wer als Windows-Benutzer zum ersten Mal Ubuntu bootet und sich einloggt wird nicht sonderlich überrascht sein: Der Desktop sieht nicht sehr viel anders aus als der von Windows. Die Menu-Leiste ist oben und statt “Start” gibt es “Anwendungen”, “Orte” und “System” . “Eigene Dateien” heisst unter Linux “Home-Folder” bzw. “Heimverzeichnis”, das sind aber nach außen die größten Unterschiede. Die wirklich großen Unterschiede verbergen sich im inneren des Systems, so gibt es unter Linux keine Registry. Das hat keinen Nachteil, aber den großen Vorteil, dass das System nicht mit der Zeit zumüllt. Auch Dateifragmentierung ist den Linux-Dateisystemen ein Fremdwort. Das System bleibt also vom ersten bis zum letzten Tag gleich schnell.
Ein paar Unterschiede gibt es dennoch, z.B. die “Multiple Desktops”. Ein Linux-System hat meistens nicht nur einen Desktop, sondern mehrere, das klingt jetzt furchtbar kompliziert, ist aber eigentlich ein geniales Prinzip, das ich nicht mehr missen möchte. So kann ich auf einem Desktop arbeiten, auf dem Nachbardesktop läuft amaroK und spielt MP3s, wenn ich schnell was an der Playlist ändern möchte wechsle ich den Desktop mache meine Änderung und wechsle wieder zurück. Aus meiner normalen Arbeit hält sich amaroK raus. Andere coole Features sind kleine Applikationen im Panel, unter Windows gibt es davon nur eins: Die Uhr. Mein Ubuntu zeigt mir daneben noch den Wetterbericht, aktuelle Nachrichten und auf Wunsch auch Börsenkurse und was das Herz sonst noch so begehrt an. Selbst ein kleines Augenpaar, welches argwöhnisch dem Mauszeiger folgt kann ich auf das Panel laden.
Multiple-Desktops in 3D-Ansicht, während dem Wechsel von einem Desktop auf den nächsten
Der wichtigste Unterschied zu Windows ist aber, dass ich all diese Dinge nicht nutzen muss, wenn sie mir nicht gefallen. Ich habe die Wahl. Ich kann mir einen Desktop einstellen oder auch 20, ich kann mir selbst die Uhr fünfmal anzeigen lassen, oder nur einmal, mit Wetterbericht daneben oder ohne. Je nachdem wie ich am produktivsten arbeite, wie mir mein System gefällt.
Als Unterhaltungsmaschine tut der bereits erwähnte amaroK sehr viel bessere Dienste als iTunes oder Winamp das jemals könnten. Zu jeder MP3, die ich höre werden mir Tips mit ähnlicher Musik gegeben, amaroK bewertet MP3s für mich, oder ich kann sie selbst bewerten. Oder beides. amaroK hat, wie iTunes, intelligente und dynamische Wiedergabelisten. Ich kann aber auch im normalen Betrieb einstellen was ich als nächstes hören möchte, und das sehr viel einfacher als bei iTunes. Und schließlich kann amaroK alles was ich höre an last.fm schicken und so weitere Musik-Tips einholen. Wenn ich gerade über einen Text rätsel holt mir amaroK die Lyrics aus dem Netz und wenn ich mehr über den Interpreten wissen möchte, holt amaroK Informationen von Wikipedia. Zu guter letzt versteht sich amaroK auch mit meinem iPod, oder dem von meinen Kumpels, oder anderen MP3-Playern.
Fazit
Ich kann eigentlich jedem empfehlen Linux, und das muss nicht Ubuntu sein, mal auszuprobieren. Es kostet nix, also verliert man auch maximal die eine oder andere Stunde Zeit und, zugegebenermaßen, einen CD-Rohling. Dafür spart man eine Menge Ärger mit Viren oder Blue-Screens. Mein Ubuntuu werkelt nun seit etwa drei Jahren auf meinem Rechner, hat etwa fünf Upgrades überlebt und ist immernoch so schnell wie am ersten Tag. Dank einiger Verbesserungen im Quellcode ist sogar das Booten um einiges schneller geworden. Und das alles obwohl ich diesem System manchmal wirklich einiges zumute….
Mein letztes Windows hat gerade mal ein Jahr überlebt, bevor es so zugemüllt war, dass ich es neu installieren musste (was ich bis heute nicht getan habe
).


