Gestern war ja nun die lang ersehnte Vollversammlung im POT81, dem besetzen Hoersaal, der TU Dresden. Es gab einige Reden von Leuten aus unterschiedlichen Ecken von TU, htw und EHS Dresden. Erster Redner, Michael Moschke vom Stura der TU, der festhalten durfte, dass der Stura die Besetzung toll findet und sich genervt zeigte, dass er in den letzten Jahren in der Uni nur gegen Waende gerannt ist. Die Besetzer des POT haetten alles richtig gemacht, was man haette richtig machen koennen.
Der naechste in der Runde war Conrad Nutschan, vom Stura der htw, der den Studis der TU eigentlich die htw vorstellen wollte, sich dann kurzfristig aber doch noch gegen seine Powerpoint Praesentation entschieden hat. Er hielt fest, dass es viel mehr Vernetzung der htw und TU Studis geben muss. Ausserdem erzaehlte er noch, dass die Kanzlerin der htw nach einem Raum zum besetzen gefragt wurde. Diese will sich ueber’s Wochenende gedanken machen.
Dann kommt die EHS, die hat Studiengebuehren, mehr Inhalt hatte die Vertreterin aus deren Stura allerdings nicht zu bieten. Nur ein wenig Selbstbeweihraeucherung, dass man ja anteilsmaessig viel mehr Studis bei Demos und Flashmobs hatte.
Vom Vertreter das FSR SpraLiKuWi kommt die Forderung die Studienkommissionen besser zu besetzen, da muessen aber alle im Raum ran, fehlt es doch meist an kompetenten, studentischen Vertretern. Die AG Freiraum erklaert dann mal ein paar Hintergruende zur Besetzung, es geht gar nicht so sehr um den Protest, der POT81 ist derzeit studentisch verwalteter Raum an der Uni, wird als Kommunikationsraum gesehen und ist frei von vorgegebenen Strukturen.
Es folgt nochmal wer von der Fakultaet SpraLiKuWi, diesmal aus der Studienberatung. Fr. Dr. Hanig referiert ueber persoenliche Erfahrungen mit dem Bologna Prozess, erzaehlt von der enormen Buerokratisierung und der Verunsicherung von Studenten und Lehrenden, weil staendig Verfahren geaendert werden. Bologna versieht ausserdem das gesamte Studium mit Punkten, Nummern und Zahlen, erzeugt so Leistungsdruck und viel Stress. Das alles nur, weil man auf Krampf versucht innerhalb von sechs Semestern Arbeitsmachinen Studenten auszubilden und fuer Berufe zu qualifizieren. Aus verschiedenen Gruenden kann der Bachelor nichtmal das leisten. Die Hochschulen verkommen dank der Umsetzung von Bologna allerdings langsam zu Lernfabriken.
Ein kleiner Ausflug in’s technische folgt, das geheim geplante Fruehwarnsystem der TU wird kurz vorgestellt. Das scheint im Saal allen neu zu sein, nur eine Handvoll Informatiker weiss Bescheid. Das Fruehwarnsystem ist ohne Not betriebene Vorratsdatenspeicherung. Die Uni hat deswegen schon mehrfach auf die Finger bekommen, genutzt hat es bisher nix.
Die Versammlung neigt sich langsam dem Ende und der interessante Part folgt, die Ziele und Forderungen der Besetzer. Neben mehr Mitbestimmung – was zu erwarten war – findet sich darin auch die Forderung nach der Ruecknahme der Verschulung, die im Bachelor in sehr grossem und vorallem unnoetigem Ausmass statt gefunden hat. Zulassungsbeschraenkungen sollen abgeschafft werden und Lernbedingungen verbessert werden. Interessant ist die Forderung nach einem Tisch und einem Stuhl fuer jeden Studi in jeder Vorlesung. Ueberraschen wird das jetzt denjenigen, der in den letzten Jahren keine Vorlesung besucht hat. Komplett ueberfuellte Vorlesungen sind heutzutage aber an der Tagesordnung, mitschreiben ist fuer den, der keinen Platz ergattert dann kaum moeglich.
Alle diese Forderungen sind nicht neu, ist man damit aber frueher zur Uni gegangen wurde man an das Land verwiesen, das hat an den Bund verwiesen und der Bund zurueck an die Uni, zustaendig war keiner. Damit muss jetzt Schluss sein!
Die AG Meer stellt dann noch etwas grundsaetzlichere Fragen, wie zum Beispiel, ob es wirklich reicht, die Bildungssituation zu verbessern. Wollen wir uns wirklich noch besser fuer die Industrie, fuer eine Karriere bilden? Sollte das Ganze nicht andere Ziele haben? Kritische Wissenschaften werden gefordert, in Seminaren gibt es kaum noch Diskussion, alle lassen sich nur noch berieseln.
Gegen Ende der Veranstaltung kommt immer mehr Diskussion auf. Diskussion ueber Bildung ist ploetzlich wieder beliebt – nicht nur in Hoersaaelen und Politik, das ganze Land diskutiert wieder -, so viel hat man schonmal geschafft.